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Pressemitteilung

Ein Blick für Möglichkeiten: Anika Cordes ist Gesundheitslotsin in der Samtgemeinde Sottrum

Erstellt: 25.07.2022, 16:05 Uhr, Nina Baucke.

Anika Cordes will mit ihrem Engagement als Gesundheitslotsin anderen Menschen helfen. © Baucke

Wo ist der nächste Sportverein? Gibt es für eine ganz bestimmte Krankheit in der Nähe eine Selbsthilfegruppe? Fragen wie diese beschäftigen seit wenigen Wochen Anika Cordes: Die Reeßumerin engagiert sich in der Samtgemeinde Sottrum als Gesundheitslotsin.

Sottrum – Es war eine spontane Idee von Anika Cordes, als sie im Januar einen Artikel in der Rotenburger Kreiszeitung mit dem Titel „Hilfe in der Nachbarschaft“ entdeckt hatte: Es ging um die Ausbildung von Gesundheitslotsen, „und da habe ich mir sofort gedacht: Das spricht mich an!“, erinnert sich die Reeßumerin mit einem Lachen. Die Ausbildung liegt nun hinter ihr, sie ist eine von fünf Frauen, die sich in der Gesundregion Wümme-Wieste-Niederung für die Aktion „Gesunde Dörfer“ als Schnittstelle zwischen den Bürgern und Akteuren des Gesundheitswesens engagieren.

Für Cordes, die sich nun als Gesundheitslotsin in der Samtgemeinde Sottrum einbringt, eine Art Ehrensache, immerhin ist sie bereits beruflich im Gesundheitsweisen verwurzelt – als Therapieleiterin der Median-Klinik in Gyhum mit etlichen Berufsjahren als Ergotherapeutin und einem gesundheitswissenschaftlichen Studium im Rücken. „Ich bin jemand, die nicht gerne stehen bleibt“, beschreibt sie sich. „Und als Gesundheitslotsin ist es das Schöne, dass ich in meiner Heimatgemeinde einen Beitrag leisten und auch mein berufliches Wissen einbringen und weitergeben kann.“
Wir können daher auch auf diesem Weg ein Bewusstsein dafür schaffen, wie groß das Angebot vor Ort ist.
Anika Cordes

 

Eine niedrigschwellige Anlaufstelle rund um Gesundheitsförderung und Prävention schaffen, an die sich Bürger wenden können – das ist der Gedanke, der hinter den Gesundheitslotsen steckt. „Wir helfen und vermitteln Kontakte, wenn jemand zum Beispiel eine Selbsthilfegruppe sucht, oder jemand, der neu zugezogen ist, einen Sportverein. Die Bandbreite ist da riesig“, sagt Cordes. Auch ihr persönliches Interesse spielt dabei eine Rolle: „Ich sehe das als Herausforderung, um zu zeigen, dass Kommunen oft zum Thema Gesundheit mehr zu bieten haben, als den meisten vielleicht so bewusst ist“, betont die Reeßumerin. „Wir können daher auch auf diesem Weg ein Bewusstsein dafür schaffen, wie groß das Angebot vor Ort ist.“ Das sorgt dafür, dass sich auch der Blick verändert hat, mit dem sie in der Samtgemeinde unterwegs ist: „Auf einmal fallen mir Praxisschilder auf, die ich vorher nicht wahrgenommen habe. Und dann überrascht es auch immer wieder, wie viel da in den Dörfern zu finden ist,“ Aber auch der Blick nach Rotenburg lohne sich ihrer Ansicht nach immer wieder – beispielsweise der Senioren- und Pflegestückpunkt „Rose“ oder die Wohnerleichterer des Landkreises. Dazu können auch die Akteure aus dem Gesundheitswesen selber beitragen: „Wir freuen als Team, wenn wir auch von der Seite Rückmeldung über Möglichkeiten und Angebote bekommen.“ Das betrifft das lokale, aber auch das regionale und überregionale Angebot, „mehr über den Tellerrand hinweg“, findet Cordes.

Die Gesundheitslotsinnen

Neben Anika Cordes sind Ute Cordes (Flecken Ottersberg), Anneka Schafrick (Rotenburg), Sabine Wilkens (Samtgemeinde Fintel) und Christiane von der Burg (Flecken Ottersberg) als Gesundheitslotsinnen in der Region mit an Bord. Sie unterstützen Menschen auf der Suche im Dschungel gesundheitsbezogener Informationen und geben Tipps, wo der nächste Lauftreff ist. Das Projekt „Gesunde Dörfer“ läuft seit dem 1. Juli. Bei der Qualifikation ging es für die Gesundheitslotsinnen um die Grundlagen von Gesundheitsförderung und Prävention sowie ehrenamtlicher Beratung sowie im zusätzlichen Modul Pflege um die Grundlagen der Pflegeversicherung.

Anika Cordes bietet für Interessierte eine offene Sprechstunde an, jeweils dienstags von 17.30 bis 19 Uhr im Rathaus, außerdem ist sie telefonisch unter 01520/8975619 und per E-Mail an gesundheit@sottrum.de.

Aber sie macht auch deutlich: Die Gesundheitslotsen stellen keine medizinischen Diagnosen und beraten in dieser Hinsicht auch nicht. „Wir wollen vermitteln und Möglichkeiten aufzeigen“, erklärt Cordes.

Auf dem Weg zur Gesundheitslotsin liegen für Cordes und ihre vier Teamkolleginnen vier Schulungen sowie ein Pflegemodul hinter ihnen. Die Kommunen, in Cordes’ Fall die Samtgemeinde Sottrum, stellen die Ausrüstung mit Smartphone und Laptop, auch einen neuen Flyer soll es demnächst noch einmal geben. „Wir treffen uns auch im Team immer mal wieder, um uns gegenseitig zu unterstützen“, sagt Cordes. „Dazu kommen wir beruflich aus unterschiedlichen Bereichen, haben unterschiedliche Qualifikationen, dass wir uns auch untereinander ergänzen.“

Sie bereut ihre Entscheidung, Gesundheitslotsin zu werden, nicht: „Ich habe ein, therapeutisches Herz‘“, sagt sie und lacht. „Mir tut es gut, zu sehen, wenn ich einem Menschen helfen konnte. Und ich freue mich mit, wenn jemand weiß, wie es für ihn weitergeht.“


5 Gesundheitslotsinnen nehmen ab sofort ihre Arbeit auf!

Am 01.07.2022 nehmen 5 Frauen ehrenamtlich in 4 Mitgliedskommunen der GesundRegion Wümme-Wieste-Niederung ihre Tätigkeit als Gesundheitslotsinnen auf.

Sie benötigen Orientierung im Dschungel gesundheitsbezogener Informationen?
Sie leiden an… und wissen nicht, wer ihnen helfen kann?
Sie wollen etwas für ihre Fitness tun und suchen z. B. einen Lauftreff in ihrer Nähe?
All diese Fragen können sie mit ihren ehrenamtlich tätigen Gesundheitslotsinnen klären!

Im Projekt „Gesunde Dörfer“ der 5 Mitgliedskommunen Samtgemeinde Sottrum, Stadt Rotenburg, Gemeinde Scheeßel, Samtgemeinde Fintel sowie dem Flecken Ottersberg (LK Verden) werden zum 01.07.2022 ehrenamtliche Beratungsstellen zur Gesundheitsförderung und Prävention geschaffen. In den kommunalen Gesundheitsbüros sollen die Gesundheitslotsinnen eine niedrigschwellige Beratung anbieten und so unkompliziert in Fragen rund um die Gesundheit weiterhelfen. Die Teilhabe am Hilfesystem und an Angeboten der Gesundheitsförderung und Prävention soll so gestärkt werden, immer mit dem Ziel, ein Bewusstsein für die Möglichkeiten der Unterstützung der eigenen Gesundheit zu schaffen.

„Wir freuen uns, dass wir nun nach langer Vorbereitungsphase mit einem motivierten und tollen Team von Gesundheitslotsinnen zum 01.07.2022 gemeinsam an den Start gehen“, so die Worte von Veronika Czech und Verena Kimpel, der Koordinierungsstelle „Gesunde Dörfer“. Nicht nur Veronika Czech und Verena Kimpel sieht man das Lächeln bei der Zertifikatsübergabe ins Gesicht geschrieben. Die Vorfreude der frisch ausgebildeten Gesundheitslotsinnen Ute Cordes, Anika Cordes, Christiane von der Burg, Anneka Schafrick und Sabine Wilkens ist ebenso zu sehen und mit ihnen freuen sich selbstverständlich auch die Vertreter der Mitgliedsgemeinden.

Vorausgegangen waren 5 Qualifizierungsmodule, 4 geschult von der LVG & Akademie für Sozialmedizin Hannover, zu den Themen Grundlagen von Gesundheitsförderung und Prävention sowie ehrenamtlicher Beratung. Durch das zusätzliche Qualifizierungsmodul Pflege, geschult durch das Gesundheitsamt des Landkreises Rotenburg/Wümme, erhielten die Gesundheitslotsinnen eine Kompetenzvermittlung zu Grundlagen der Pflegeversicherung und Pflegebedürftigkeit sowie über die Angebotslandschaft im Landkreis Rotenburg (Wümme) und Verden.

Zu Beginn ihrer Tätigkeit werden die Lotsinnen im ersten Schritt ihr Beratungsangebot bekannt machen und vielfältige Kontakte mit allen Dialoggruppen knüpfen. Es werden alle interessierten Bürger ermutigt, dieses neue Angebot wahrzunehmen und mit den Gesundheitslotsinnen in Kontakt zu treten.

Die GesundRegion Wümme-Wieste-Niederung setzt sich seit 2007 im Rahmen der ländlichen Entwicklung für das Querschnittsthema Gesundheit in 6 Mitgliedskommunen rund um die Kreisstadt Rotenburg (Wümme) ein. Dazu gehört auch die Stärkung von Gesundheitsförderung und Prävention.

 

Am Gesamtprojekt Interessierte können sich an die Koordinierungsstelle der „Gesunden Dörfer“ unter folgenden Kontaktdaten wenden:

Koordinierungsstelle Gesunde Dörfer

Caritasverband Landkreise Stade und Rotenburg
Bahnhofstraße 20
27356 Rotenburg (Wümme)
Tel.: 04261/9637875
E-Mail: koordination@gesundedoerfer.de
Web: www.gesundedoerfer.de
 

v.l.n.r. Anika Cordes (Sottrum), Veronika Czech (Koordinierungsstelle), Ute Cordes (Ottersberg), Anneka Schafrick (Rotenburg), Dr. Sabine Wilkens (Fintel) und Christiane von der Burg (Ottersberg)


„Wollen nichts vorschnacken“: Sabine Wilkens aus Fintel ist neue Gesundheitslotsin in der Samtgemeinde

Erstellt: 05.07.2022, 17:05 Uhr, von Lars Warnecke.

„Wir sind ein Bindeglied zwischen den Menschen“, sagt Gesundheitslotsin Sabine Wilkens. In den Händen hält die Fintelerin die neuen Flyer zu den „Gesunden Dörfern“, die ab August in Umlauf gebracht werden sollen. © Detlefsen

 

Fintel – Welche Präventionsangebote gibt es bei mir um die Ecke? Wo finde ich schnelle Hilfe, wenn ich mich angeschlagen fühle oder Unterstützung anderer Art brauche? Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln im Kreis neuerdings ehrenamtliche Gesundheitslotsen – ein Projekt, das die Gesundregion Wümme-Wieste-Niederung angestoßen hat. Eine dieser Lotsinnen – und zwar für die Samtgemeinde Fintel – ist Sabine Wilkens. Was hat die Finteler Tierärztin zum Mitmachen bewogen? Was will sie erreichen? Und warum braucht es Ansprechpartner wie sie überhaupt? Darüber haben wir uns mit ihr unterhalten.
 

Frau Wilkens, Ihre Tätigkeit als Lotsin fällt in das Projekt „Gesunde Dörfer“. Was steckt dahinter?
Ziel ist es, dass man die bestehenden Möglichkeiten im Bereich Gesundheitsförderung und Prävention noch besser an solche Menschen heranträgt, die man sonst vielleicht gar nicht erreichen würde – entweder, weil sie nicht Internet-affin sind oder weil sie Berührungsängste haben. Da kommen wir Lotsinnen ins Spiel, indem wir Interessierte ein Stück weit zu den Angeboten hinführen und Hinweise geben, wen man dafür ansprechen könnte.
 

Sie engagieren sich schon auf vielfältige Weise ehrenamtlich. In Ihrer Kirchengemeinde etwa oder für den Offenen Mittagstisch in Fintel. Warum jetzt noch Gesundheitslotsin?
Eigentlich war das eine Schnapsidee, auf die ich beim Zeitunglesen gekommen bin. In einem Artikel war die Rede davon, dass noch weitere Lotsen gesucht würden. Daraufhin habe ich gedacht, ich könnte denen ja mal eine Mail schicken. Und zack, haben die mich zurückgerufen mit der Frage, ob ich wirklich Lust hätte. Natürlich hatte ich das – und so bin ich zu einem weiteren Ehrenamt gekommen.
 

Was ist Ihre Aufgabe?
Eines vorweg: Wir dürfen nicht beraten, das müssen die Fachleute tun. Wir können die Leute, die sich an uns wenden, nur zu den für sie relevanten Stellen hinlotsen – zum Beispiel, wenn jemand noch gar nicht weiß, was er oder sie für ein Problem hat. Wir – das sind ich und meine Kolleginnen aus Rotenburg, Sottrum, Scheeßel und Ottersberg, also aus jenen Kommunen, die zur Gesundregion dazugehören. Dort sind wir auch jeweils angesiedelt und bringen eben unsere Kompetenzen mit. Aber: Wir wollen den Leuten nichts vorschnacken, da sind wir zur Neutralität verpflichtet. Ich empfehle also jetzt nicht irgendeinen bestimmten Arzt oder sonst jemanden, sondern versuche, die Ratsuchenden zu begleiten, indem ich sie dort abhole, wo sie sind.
 

Es geht also ums Brückenbauen.
Richtig, aber rübergehen muss jeder selbst. Das sage ich auch in meinem Beruf als Tierärztin immer: Ich mache die Tiere nicht gesund, gesund werden müssen sie selber. Übrigens haben wir Lotsinnen alle irgendetwas mit Gesundheit zu tun. Darüber hinaus haben wir auch Schulungswochenenden absolviert, um uns für die Aufgabe zu qualifizieren.
 

Tauschen Sie sich auch untereinander aus?
Aber ja! Wir sind wirklich gut miteinander verknüpft. Und wenn unsereins mal nicht weiter weiß, können wir in Rotenburg die Koordinierungsstelle „Gesunde Dörfer“ um Rat fragen. Das macht richtig Spaß, mit den anderen zusammenzuarbeiten.
 

Niederschwelligkeit spielt bei der Anlaufstelle doch sicher eine große Rolle, oder?
Natürlich, so soll es auch ganz bewusst sein. Ich für meinen Teil habe da ein Handy, über das ich mich mit den Leuten verabreden kann. Vielleicht setze ich mich an festen Tagen aber auch ins Rathaus in Lauenbrück oder in Fintel ins ehemalige Gasthaus Röhrs, um dort Sprechstunden abzuhalten. Oder ich stelle mich vor den Edeka hin. Die Samtgemeindeverwaltung hat mir jedenfalls schon Räumlichkeiten zur Nutzung freundlicherweise angeboten. Und auch eine offizielle Mailadresse ist für mich bereits eingerichtet worden.
 

Man könnte meinen, dass sich vor allem ältere Menschen, die vielleicht keinen Zugang zum Internet haben, an Sie wenden werden.
Das ist anzunehmen. Aber ich glaube, dass viele andere auch keinen Internetzugang haben. Man denke aktuell auch an die zahlreichen Flüchtlinge aus der Ukraine, die unsere Sprache noch nicht beherrschen.
 

Was ist Ihnen persönlich als Gesundheitslotsin wichtig?
Ich möchte mit den Menschen ins Gespräch kommen – und wer mich kennt, weiß, dass das gar nicht so schwer ist (lacht). Ich möchte Fragen verstehen und auch klären, möchte gemeinsam Probleme lösen. Und ich will einen Beitrag dazu leisten, dass unsere Dörfer mehr sind als nur Schlafdörfer.
 

Glauben Sie, dass die „Gesunden Dörfer“ langfristig eine Zukunft haben werden?
Schwer zu sagen. Bei dem Ganzen handelt es sich ja um ein Pilotprojekt. Wir wissen also noch nicht, was dabei herauskommt. Es kann ja sein, dass die Leute sagen, man brauche das hier gar nicht, man könne alles auch über das Internet in Erfahrung bringen. Aber wenn wir nicht anfangen, werden wir es nie e ahren. Oder formulieren wir es mal so: Man weiß nie, was daraus wird, wenn Dinge verändert werden. Aber weiß man denn, was daraus wird, wenn sie nicht verändert werden?

Koordinierungsstelle Gesunde Dörfer
Bahnhofstraße 20
27356 Rotenburg
Tel.: 0 42 61 / 9 63 78 75
Mail: koordination@gesundedoerfer.de